Gleichstellung ist sexy! Was sich wie der Slogan einer Imagekampagne verzweifelter Feministinnen anhört, ist das Fazit der jüngten Studie des bekannten Sozialpsychologen Roy Baumeister von der Florida State University: Sie wurde im August von der Amerikanischen Psychologenvereinigung präsentiert, trug den Titel «Eine datenbasierte Theorie der sexuellen Interaktion oder Warum Männer das Essen bezahlen» und war alles andere als politisch korrekt: Die Daten aus 37 Staaten weltweit zeigten nämlich auf, dass Männer und Frauen in Ländern mit einem hohen Gleichstellungsgrad häufiger Sex haben als solche, in denen Frauen den Männern gegenüber benachteiligt sind.
Dies nicht etwa, weil Gleichberechtigung für erotisches Knistern zwischen den Geschlechtern sorgen würde, so Baumeister, sondern weil immer mehr gutausgebildete Frauen um immer weniger gutausgebildete Männer konkurrieren. Und deshalb Sex als harte Währung einsetzen. Kurz: Was rar ist, verkauft sich teuer. Was im Überfluss vorhanden ist, kommt nur mehr billig an den Mann.
Liebes-Handel statt Liebelei
Wer nun findet, dass Liebe doch mehr sei als ein simpler Kuhandel, hat wahrscheinlich Recht. Der Liebesmarkt aber scheint im global village immer mehr zur Aktienbörse zu verkommen. Dating-Sites boomen, Vermittlungs-Angebote, die nicht mehr Romantik versprechen, sondern Dates verkaufen, jagen sich: Auf der amerikanischen Site What's your price.com etwa können schöne junge Single-Frauen sich ein Date vergolden lassen: Sie wählen aus den Angeboten von weniger schönen und jungen, dafür zahlungskräftigen Single-Männer das grosszügigste aus.
Oder vielleicht auch das Exemplar Mann, bei dem das Preis/Leistungsverhältnis (sprich Portemonnaie/Status/Look) stimmt. Ein Deal, bei dem das Dollarzeichen buchstäblich das Herz ersetzt hat. Ein Deal der übrigens auch umgekehrt funktioniert. Schliesslich haben in Amerika die Frauen Mitte Dreissig die gleichaltrigen Männer in Sachen Ausbildung bereits überholt und sind gerade daran, die Aufholjagd auch lohnmässig zu beenden.
Wer nun denkt, dass die Amerikaner wieder einmal spinnen, der wird auf der deutschen Kupplerseite millionaertreffen.de jeglicher Illusionen beraubt.
Wie viel kostet Körbchengrösse 70D?
Roy Baumeister ist nicht der erste, der das Liebesleben in der Postemanzipation mit ökonomischer Nüchternheit angeht. Der spanische Ökonomie-Professor Jose-Manuel Rey etwa hat vor ein paar Monaten versucht, den Liebesfrust von gutausgebildeten Singlefrauen mit der Game-Theorie zu erklären (Lesen Sie auch: «Die Mathematik der Liebe»). Dass die Liebe blind macht, war schon immer nur ein schönes Bild: Für die Titel auf Visitenkarten oder die Körbchengrösse 70D hatten Frauen und Männer seit jeher ein gutes Auge. Oder anders gesagt: Die gute Partie ist keine Erfindung des neuen Jahrtausends. Steht aber offensichtlich heute wieder hoch im Kurs.
Zerplatzt ist jedenfalls die Illusion jedenfalls, dass der Zugang zu Ressourcen wie Bildung und Arbeit den Frauen die Chance bringt, statt eine gute die beste Partie zu machen. In Krisenzeiten regiert der Pragmatismus. Auch in der Liebe.
Und der sieht so aus: Männer, die eine Frau ausführen wollen, die zehn Jahre jünger ist als sie selbst, müssen 13 Prozent mehr für ein Date bieten als ihre jüngeren Konkurrenten. Das ergab die Auswertung der Date-Versteigerungen des letzten halben Jahres auf What's your price. com. Wer übrigens sich im fortgeschrittenen Alter von 50 noch immer in die Zwanzigjährigen verguckt, der muss schon bereit sein für ein Treffen 4 Mal mehr zu bezahlen als ein Mann im Alter der digital Angebeteten.
Solche Aussagen sind natürlich etwa so sexy wie Tante Dorlis Miederhöschen, aber das ist wohl der Preis, den eine Gesellschaft zahlt, in der die Marktgläubigkeit auch vor dem Schlafzimmer nicht mehr halt macht.
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