Bilder von leicht bekleideten oder nackten Körpern verschicken, das hat schon den einen oder anderen Herrn der Schöpfung den Job oder das politische Amt gekostet. Von Frauen wurden solche Missgeschicke eher weniger berichtet. Daraus zu schliessen, dass Frauen ganz einfach nicht auf das stehen, wäre nun eine einfache, aber auch ziemlich falsche Schlussfolgerung. Der kleine Unterschied: Frauen verschicken am liebsten erotische Bilder von sich selbst. Sie stehen auf Sexting, also die private Verbreitung erotischen Bildmaterials des eigenen Körpers via MMS. Das hat eine kürzlich in der Zeitschrift «Sexuality & Culture» publizierte amerikanische Studie gezeigt, die auf der Befragung von mehr als 5000 Frauen und Männer beruht. Das überraschende Resultat:
Zwei Drittel der befragten Frauen haben angegeben, dass sie Sexting mögen und schon mal online fremdgegangen sind, bei den Männern war es nur die Hälfte.
Gedeutet wird diese Art der Selbstdarstellung etwa von der bekannten Autorin Erica Jong als Zeichen der Rebellion von Frauen. Dies scheint ohnehin die neueste Interpretation für sämtlichen barbusigen Auftritte neuerer Zeit zu sein. Die neuen Feministinnen, die klein an der Zahl, dafür gross im Effekt mit ihrer Freizügigkeit für Aufmerksamkeit sorgen und damit für Schlagzeilen sorgen.
Ähnlich repräsentativ sind die Frauen, die für die Studie befragt wurden. Es handelt sich dabei um Personen, die bei der Fremdgeh-Plattform Ashley Madison eingetragen sind und sich freiwillig an der Online-Umfrage beteiligten. Das erklärt auch die anderen Resultate der Studie, etwa die Erkenntnis, dass Frauen und Männer gleichermassen bereit sind, online oder im realen Leben fremdzugehen. Kein Wunder, denn der Slogan der Plattform lautet in der deutschen Version: «Das Leben ist kurz. Gönn dir eine Affäre».
Die Lust an der Selbstdarstellung und Inszenierung ist ungebrochen und längst nicht mehr nur bei Jugendlichen ein Thema. Bei diesen wurde das Thema Sexting vor drei Jahren sehr kritisch untersucht und auch immer im Zusammenhang mit dem Themas Kinderpornographie erwähnt. Das ist in der Studie von der Soziologinnen Wysocki und Childers der Uni Nebraska kein Thema. Sie liefern aber auch eine interessante Erklärung, warum Frauen mit Sexting offenbar unverkrampfter umgehen als Männer: Sie gehen davon aus, dass Männer vor allem mehr Angst haben, erwischt zu werden. Frauen dagegen scheinen sich viel weniger um die Verwischung ihrer Spuren zu kümmern. Mit gutem Grund, öffentlich die Hosen heruntergelassen wurde in der Angelegenheit bisher nur Männern.

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