Es geht also um zwei Dinge, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben: «Mad Men» ist eine eine Werbeszene-Serie, die wegen ihres Chic gefällt, wegen der abgebildeten Rollenmuster irritiert und wegen dem lockeren Umgang mit der Political Correctness aufschnaufen lässt. Die Einführung des Frauenstimmrechts war hingegen ein überfälliger staatspolitischer Akt, der vierzige Jahre her ist.
Aber wenn Sie – quasi beim zweiten Blick – die Inserate und Plakate unten sehen, wird wohl alles klar. Denn es ist Werbung, die aus der Zeit stammt, wo «Mad Men» in den USA angesiedelt ist und wo zugleich über das Frauenstimmrecht in der Schweiz verhandelt wurde.
Oder zumindest ungefähr: Einige Plakate reichen in die Siebzigerjahre hinein, die frühesten stammen aus den späten Dreissigern. Aber was sie verbindet, ist ein Frauenbild, das an die Zustände in «Mad Men» erinnert; und oft eine ganz allgemeine Unverfrorenheit, die inzwischen undenkbar ist: Es sind Plakate, die heute schlicht verboten würden.
Alles in allem darf man sagen: Wir wussten ja, dass die gute alte Zeit in Vielem schlicht krank war oder etwas verrückt war – aber manchmal tut es gut, sich daran zu erinnern, dass es noch viel schlimmer gewesen sein muss …
Inserat für einen Mixer von Kenwood, 1960er Jahre:

Werbung für eine französische Pullovermarke, frühe 1970er:

«Campbell's Beef Soup», 1940er Jahre
Das Inserat dient als typisches Beispiel dafür, wie «kraftvolle» Nahrung und Männlichkeit gern kombiniert wurde.

Keine Werbung für Ketchup, sondern für die (damals neuen) Aluminium-Drehverschlüsse, 1950er Jahre:

Quasi: Mit der Frau in den ultimativen Dummy-Test. Das Inserat lieh übrigens vor zehn Jahren einem Bildband über das Frauenbild im Zeitalter der klassischen Werbung den Titel: «You mean a woman can open it?»
Weshalb Frauen nicht einparken können...
Das Klischee bediente Volkswagen schon in den frühen 1970ern:

Die Veränderungen in dem, was als angemessen betrachtet wurde, sind auch in anderen Feldern sichtbar: Dieses französische Plakat stammt allerdings aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.

Dieses Inserat hingegen könnte direkt aus der Madison Avenue jener Zeit stammen.
Philip Morris, 1960er Jahre

Auch dies ein Kind aus einer völlig anderen Zeit – undenkbar heute:
Kosmetikwerbung aus dem Jahr 1974

Werbung für die Zigarillo-Marke Tipalet, 1970:
Klar (und plump) in der Aussage, zugleich doppeldeutig.

Ebenfalls eher unkorrekt:
Weihnachtsinserat für Daisy-Gewehre, späte 1960er.

Die Frau gehört offenbar auf den Boden, und zwar nackt:
Schuhwerbung aus dem Jahr 1974

Hausfrauen-Doping im Jahr 1939:
Werbung für das Frühstücksgetreide «Kellogg's Pep»

Inserat für die australische Herrenmodemarke Van Heusen, 1952:

Die Marke hat es übrigens überlebt: Hier ihr heutiger Auftritt.
Und manchmal war die Werbung so mad, dass sie heute kaum noch zu verstehen ist: Inserat für eine Frankiermaschine, 1952

Plakat gegen das Frauenstimmrecht in der Schweiz zur Abstimmung von 1959

Und nein, dieses Inserat stammt nicht aus den Fünfzigern, Sechzigern oder Siebzigern, sondern aus dem Jahr 2006.

Die Werbung eines Spirituosenimporteurs in Neuseeland versteht sich als ironische Anspielung auf a) die Werbung von früher, und b) die Werbung mit und für russische «Importbräute».
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