Sexualität Beziehung Psychologie

Sex oder Liebe, Busen oder Status

Von Clack-Team am 23. Oktober 2011 in Artikel - 5 Kommentare

Was Sie schon immer über Sex zu wissen glaubten, ist oft Mumpitz. Viele feste Klischees über Männer- und Frauenideale im Bett erweisen sich als falsch

Sie will vielleicht gar nicht das, was er meint, dass sie will. Und umgekehrt.

Sie will vielleicht gar nicht das, was er meint, dass sie will. Und umgekehrt.

Geben wirs zu: Wir glauben immer noch an Steinzeittheorien. Zum Beispiel: Das Männchen sucht eine gesunde Frau als Mutter fürs Kind, also achtet es auf runde Formen. Das Weibchen will Sicherheit, also sinkt es dem reichen Herrn in die Arme.

Dass solche Theorien irgendwie shaky sind, ahnt man ja schon aus dem eigenen Alltag. Und manchmal tauchen sogar Daten auf, die das eine oder andere Klischee ins Wanken bringen (Lesen Sie auch: «Frauen suchen im Bett das Abenteuer».)

Eine Psychologieprofessorin der University of Michigan hat nun eine Meta-Untersuchung veröffentlicht, welche die bekanntesten Gender-Stereotypen unseres Sexlebens überprüfte – und sie nun gleich in Serie zertrümmert. Terri Conley, so der Name der Dozentin, suchte mit vier Kolleginnen und Kollegen Datenmaterial zur Frage: Was stimmt denn an den Mann- und Frau-Thesen, die wir beim Small Talk so gern nachplappern? Hier die 5 spannendsten Beispiele.

1. Männer wollen Affären, Frauen wollen Liebe. Antwort: Na ja…
Es gibt tatsächlich Studien, die das nahelegen – so eine Untersuchung, bei welcher Probanden von einem attraktiven Gegenüber offen zum Sex aufgefordert wurden. In der Tat lehnten die Frauen das konsequent ab, während die Männer zu 70 Prozent dabei waren. Terri Conley fand nun aber einen anderen, ähnlich gelagerten Test, in dem den Personen suggeriert wurde, dass der vermeintliche Partner auch wirklich gut im Bett sei. Wollen Sie raten, wie das Ergebnis war? Die Quoten der Geschlechter glichen sich an. Wir lernen: Frauen setzen nicht allzu viel Hoffnung in gewisse Talente der Männer. Wenn sie aber diese Hoffnung haben, dann scheren sie sich auch nicht mehr gross um die wahre Liebe. Das Ergebnis dürfte sich mit dem folgenden Punkt ergänzen. (Lesen Sie auch: «Wer sich wie schnell abschleppen lässt».)

2. Frauen haben weniger Orgasmen. Antwort: Stimmt teilweise…
Bei den ersten Kontakten kommen Frauen tatsächlich viel seltener. Auch in einer eher lockeren Affäre hat die Frau nur gut halb so oft einen Orgasmus wie der Mann. Aber in längerfristigen Beziehungen gleicht sich das weitgehend an. Es könnte diese Erfahrung sein, welche wiederum die Frauen zu einer gewissen Zurückhaltung in Sachen One-Night-Stand verleitet. Terri Conley folgert zudem daraus, dass über den Orgasmus offenbar etwas anderes stärker entscheidet als Biologie – nämlich wie sehr der Partner um die Lust der Frau besorgt ist. (Lesen Sie auch: «Wirtschaftsregeln für besseren Sex».)

3. Frauen sind wählerischer. Antwort. Wirklich?!
Die Forscher aus Michigan fanden dazu eine Studie, die ein interessantes Muster bewies: Wer ist aktiv, wer ist passiv? Offenbar liegt es an solchen Rollen, wie wählerisch jemand ist. An Speed-Dating-Anlässen wurden die Frauen aufgefordert, auf die Männer zuzugehen – worauf sich mit der Rolle plötzlich auch die Verhältnisse umdrehten. Nun waren die Frauen nicht mehr sehr wählerisch, und umgekehrt gaben sich die Männer plötzlich anspruchsvoller. Kurz: Wer den anderen ansprechen muss, beurteilt das Gegenüber eher positiv als jemand, der angesprochen wird.

4. Frauen wollen Status, Männer wollen sexy Frauen. Antwort: Stimmt nicht ganz.
Zwar geben die Menschen, wenn sie direkt befragt werden, tatsächlich solche Tendenzen an: Wer den idealen Partner ausmalen soll, beschreibt als Mann eher Megan Fox und als Frau eher Prinz William. Aber wenn es darum geht, ein konkretes Gegenüber zu beurteilen, achten Männer und Frauen auf Aspekte wie Status oder sexuelle Attraktivität etwa gleich stark. Dies wurde unter anderem bei Befragungen von Speed-Dating-Teilnehmern herausgefunden. (Lesen Sie auch: «Romantik unter dem Hammer». )

5. Männer denken ständig an Sex. Frauen nicht so ständig. Antwort: Stimmt. Aber nur relativ.
In einer Untersuchung wurden die Testpersonen darum gebeten, sich jeweils zu notieren, wenn sie an einem Tag an Sex denken. Bei Männern war das am Ende durchschnittlich 18-mal der Fall, bei Frauen nur zehnmal. Allerdings: Männer dachten auch öfter an andere körperliche Bedürfnisse – beispielsweise an den Schlaf oder ans Essen. Und zwar war die Quote hier im gleichen Verhältnis höher wie beim Sex. (Lesen Sie auch: «Wie viele Männer hatten Sie?»)

Alles in allem finden wir also bestätigt, dass die Sache zwischen den Geschlechtern sogar noch komplizierter ist, als wir eh schon dachten. Oder wie die Autoren aus Michigan befinden: «Die Botschaft zum Mitnehmen aus unserem Übersichtsartikel wäre, dass man Geschlechtsunterschiede in der Sexualität nicht für bare Münze nehmen sollte.»

 

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    MISS_T
    vor 3 Jahren

    es gibt auch prüde reiterinnen!

    eriana
    vor 3 Jahren

    ... die reiterinnen wissen das schon lange…

    Klaus
    vor 3 Jahren

    Wer wirklich etwas über den menschliche Sexualität lernen will, dem empfehle ich das Buch “Sex at Dawn” zu lesen (leider noch ohne Deutsche Übersetzung) …

    Enzo
    vor 1 Jahr

    Ich habe ca 80 Sexpartnerinnen gehabt, davon 11 Männer das war eine unglaubliche Abwechslung.
    Heute nur noch Frauen

    Jürg Schwaller
    vor 3 Jahren

    Die körperliche Liebe ist die einzige Tätigkeit, die “Fleischeslust” mit gutem Gewissen zulässt. Wenn das Ganze dann noch Vegie-powered zugeht, ist die Ökobilanz und der Lustgewinn maximiert. Eine klassische win-win Situation nur auf Kosten der Beteiligten! go for it! !

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