Halbe Frauen zwischen Kind und Karriere

Von Nathalie Sassine-Hauptmann am 10. Januar 2012 in Artikel

«Nichts entschuldigen, nichts erklären»: Ein neues Buch gibt Tipps, wie Frauen Homeoffice und Selbständigkeit einsetzen können, um nicht in die Hausfrauen-Falle zu tappen.

Ist die meiste Zeit nur eine «halbe Frau»: Sarah Jessica Parker in «I don't know how she does it», 2011.

Ist die meiste Zeit nur eine «halbe Frau»: Sarah Jessica Parker in «I don't know how she does it», 2011.

Wir schreiben das Jahr 2012, und Eltern sind immer noch hin- und hergerissen zwischen Job und Familie. Väter und Mütter – vor allem letztere – müssen sich entscheiden zwischen einer Vollzeit-Karriere und einer Teilzeit-Mutterschaft oder umgekehrt. Also keinen Beruf mehr (mit der Folge der finanziellen Abhängigkeit) und Tage gefüllt mit Geschwister-Zank, Unterhosen-Falten und Fischstäbchen-Kochen. Wie immer man es dreht, Frau fühlt sich wie entzweit.

Die halbe Ehefrau

Gaby Hinsliff, ehemalige Redaktorin beim britischen «Guardian» und Bloggerin, erklärte 2009 in eben jener Zeitung, sie habe sich entschieden, ihren Job aufzugeben und als Vollzeit-Mutter zu fungieren. Als logische Folge davon erscheint in diesen Tagen ihr Buch «Half a Wife: The Working Family’s Guide to getting a Life Back», dass sie schrieb, um sich selber zu erklären, «wieso um Himmels Willen» sie das getan hatte.

Die Britin beschreibt wunderbar, wie diese Frauen, die einst im Job «jemand» waren, «jemandes Mutter» geworden sind, wie sie vergebens auf ihren Blackberry starren und auf eine Nachricht aus dem Büro warten, denn da ist kein Büro mehr, das ihnen etwas mitteilen möchte.

Sie nennt dieses Phänomen, dass Mütter vermehrt an den Herd bindet, weil ihnen in den Medien dieses kollektive schlechte Gewissen eingetrichtert wird, das «21st-century culture of domesticity», die «Kultur der Häuslichkeit im 21. Jahrhundert» und verurteilt das Bild der perfekten Mutter, die sich rund um die Uhr um Kind und Küche kümmert. Das Problem liege derweil «nicht beim Leben, das wir führen, sondern bei der Vorstellung, die wir davon haben, Hausfrau zu sein. Einen tollen Job aufzugeben tut weh, und was Frauen im Vergleich dazu zu Hause vorfinden, entspricht für die meisten eben nicht derselben Erfüllung.»

Die Karriere als Z

Hinsliff schlägt deshalb das Konzept der «halben Ehefrau» vor: Teilzeit-Arbeit für beide Partner. Zu offensichtlich? Vielleicht. Aber Hinsliff gibt in ihrem Buch ein paar Tipps, die sich bereits junge Paare auf jeden Fall einmal zu Gemüte führen sollten:

  • Überlegen Sie sich bereits bei der Karriereplanung, dass früher oder später einmal Kinder im Spiel sein werden. Auch die Männer unter Ihnen.
  • Sehr bildlich stellt sie die ideale Karriere-Form für Eltern darf: Wie ein Z sollten erst einmal horizontal Erfahrungen gesammelt werden, um dann diagonal in die Höhe zu schiessen, so dass der Job wiederum horizontal gehalten werden kann, wenn die Kinder da sind.
  • Der Weg der Selbständigkeit sollte sehr ernsthaft geprüft werden. Diese gibt Eltern die Möglichkeit, ihren Tag flexibel zu organisieren, anstatt auf Teilzeit umzustellen. Oder beides.
  • Arbeitnehmerinnen sollten nach dem Mantra «Nichts entschuldigen, nichts erklären» arbeiten. So nennt die Autorin das Homeoffice, das dank WiFi und Smartphones einfacher denn je funktioniert.

Einmal mehr wird ein Buch wie «Half a Wife» keine Hilfe sein für Eltern, die im Supermarkt Regale auffüllen, oder für Mütter und Väter, deren Jobs ihre physische Präsenz erfordert. Doch Bürogummi-Mütter, die sich überlegen, ihren Job aufzugeben, sollten Hinsliffs Tipps unbedingt lesen, bevor sie diesen grossen – und so oft desillusionierenden – Schritt wagen. Spätestens, wenn «Half a Wife» auf deutsch erscheint.

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