Väter brauchen sich heute keine Sorgen mehr zu machen, wenn es unter den Nachkommen keinen Sohn gibt, der das Familienunternehmen übernehmen kann. Die Tochter tut’s in vielen Fällen auch. Die Hindernisse sind jedoch immer noch nicht ganz aus dem Weg geräumt, wie die griechische Psychologin Daphne Halkias in ihrem Buch «Father-Daughter Succession in Family Business» beschreibt. So warten viele Väter lieber ab, bis Töchterchen heiratet – oder diese zögern selber, in Daddys Imperium einzutreten, aus Angst vor Konflikten.
Wie uns jüngst auch die Blochers wieder einmal bewiesen, ist die Vater-Tochter-Beziehung eine spezielle. Wenn nämlich Rahel Blocher in die BAZ investiert, hat in Tat und Wahrheit Papi Christoph die Finger drin. Man kommt nicht umhin, sich zu fragen, ob das im umgekehrten Fall genauso wäre.
Die Autorin des Vater-Tochter-Buches erklärt in einem Interview mit der Bloomberg Business Week, das Thema hätte sie deshalb interessiert, weil 80 Prozent der Firmen weltweit Familienunternehmen sind, aber nur ein Drittel davon von Frauen geführt werden, wenn auch mit steigender Tendenz.
Halkias diskutierte mit vielen Frauen darüber, ob und unter welchen Umständen sie die Firma ihres Vaters übernehmen möchten/könnten/würden. Die «Firmentöchter» schauten einer Zukunft im Familienunternehmen meist beunruhigt entgegen, einerseits weil sie Einzelkinder sind oder Schwestern haben, die sie nicht verletzen möchten. (Ob man daraus schliessen muss, dass Papi das Unternehmen doch einem Sohn überlassen würde, wenn denn einer da wäre, sei mal dahingestellt.) Auf jeden Fall sind bei einer Übernahme von Vaters Geschäft enorm viele Emotionen im Spiel. Nebst der Sorge um den Businesserfolg, sorgen sich diese Frauen vermehrt um den Familienfrieden.
Wenn die ganze Familie führen will
In vielen Kulturen kommt ein weiterer erschwerender Punkt hinzu: Die ganze Familie hat im Unternehmen mitzureden, von der Grossmutter mütterlicherseits bis zum angeheirateten Cousin zweiten Grades. Ein möglicher Konflikt besteht also nicht nur zwischen Vater und Tochter, alle anderen (männlichen und weiblichen) Verwandten könnten ebenfalls störend wirken und den Familienfrieden gefährden.
Halkias fand ausserdem heraus, dass traditionelle Väter lieber warten, bis die Tochter heiratet, damit sie ein bisschen PR machen kann (Frauen sind ja bekanntlich stark in Kommunikation), während sich ihr Mann um das «richtige» Business kümmern soll. In Asien sei dieses Misstrauen gegenüber Single-Chefinnen besonders ausgeprägt. Natürlich gibt es auch einfach viele Väter, die ihre Position und entsprechende Macht nicht aufgeben wollen, auch wenn es für das Unternehmen Sinn machen würde.
Es überrascht also nicht, dass Frauen zögern, das Familienunternehmen zu leiten. Halkias behauptet, 100 Prozent der Söhne, die sie befragte, würden Papas Firma ohne mit der Wimper zu zucken übernehmen, während Töchter eher ein eigenes Business starten möchten, aus Angst vor Konflikten mit dem Vater bzw. der Familie.
Gestützte Work-Life-Balance
Dieses Verhalten sei eigentlich kontraproduktiv, so Halkias weiter. Betrachte man nämlich andere Kulturen, merke man ziemlich bald, dass das Zusammenarbeiten als Familie die Work-Life-Balance unterstütze. Denn es ist das Dorf, das es braucht, um ein Kind grosszuziehen. Doppelverdiener können sich auf ihren Job konzentrieren, während die Grosseltern die Kinder erziehn und davon profitieren, dass das Geschäft floriert. Die Isolation, denen viele westliche Frauen im Beruf ausgesetzt sind, fällt in solchen Ländern weitgehend weg.
Wir müssen also umdenken, einmal mehr. Erfreulich ist auf jeden Fall, dass Töchter ihre Fähigkeiten, Daddys Firma zu führen, nicht in Frage stellen.
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