Sexualität Online-Dating

Ich shoppe mir einen Mann

Von Marie Dové am 12. Dezember 2011 in Artikel - 4 Kommentare

Der neueste Online-Datingtrend stellt die Bedürfnisse und das Begehren der Frau ins Zentrum – und macht Männer zu hübschen Produkten, die sich in Einkaufswagen packen lassen.

Einen Mann in den Einkaufswagen stecken? Doch, doch. Auf der französischen Datingsite adopteunmec.com geht das.

Einen Mann in den Einkaufswagen stecken? Doch, doch. Auf der französischen Datingsite adopteunmec.com geht das.

Ausdifferenzierung des Online-Datingmarktes: Screenshot von adopteunmec.com.

Ausdifferenzierung des Online-Datingmarktes: Screenshot von adopteunmec.com.

Das Angebot des Tages: Männer als Produkte auf adopteunmec.com.

Das Angebot des Tages: Männer als Produkte auf adopteunmec.com.

Ältere Frauen sollen sich jüngerer Männer aussuchen können: Julia Macmillan, Gründerin von toyboywarehouse.com.

Ältere Frauen sollen sich jüngerer Männer aussuchen können: Julia Macmillan, Gründerin von toyboywarehouse.com.

Wenn eine Frau ins Shoppingcenter einkaufen geht, so packt sie üblicherweise allerlei Lebensmittel in den Einkaufswagen, womöglich einen Wein dazu oder ein paar Süssigkeiten zum Naschen. Aber einen Mann?

Doch, doch. Auf der französischen Datingsite adopteunmec.com geht das – metaphorisch zumindest. Hier werden Männer wie Produkte behandelt, die frau in den Einkaufswagen stecken kann – das mag für Männer irritierend sein, aber das Konzept der Site ist klar: Der Kunde ist König. Und der Kunde, das ist auf adopteunmec.com zuallererst die Frau.

«Ich mag es, als Kuschelobjekt behandelt zu werden»

Und die Männer? Tja, die Männer sind auf dieser Site die Ware, ausgestellt wie Frischfleisch im Supermarkt. Königin Kundin verschafft sich einen Überblick übers Angebot anhand relevanter Produkte-Kategorien, darunter «muskulös», «Vegetarier», «bisexuell», «Kader», etc. Spannend auch das jeweilige (Männer-)Angebot des Tages, schön präsentiert in einer Galerie in der Mitte der Homepage von adopteunmec.com. Das starke Geschlecht scheint sich mit seiner Rolle als Konsumgut zu arrangieren, jedenfalls sind in Testimonials von Männer Sätze zu lesen wie: «Ich mag es, als Kuschelobjekt behandelt zu werden.»

Bislang hat die Site, die als letzter Schrei auf dem Datingmarkt gilt, vor allem in den Medien für Aufsehen gesorgt. Frauenzeitschriften stürzten sich natürlich auf das neue Angebot, das Frauen erlauben soll, was sich bislang vor allem Männer, Machos, leisteten – aber auch die seriöse «Le Monde» berichtete über die französische Innovation in der Online-Datingbranche. Ob sich das Konzept auch wirtschaftlich rechnet, wird sich noch weisen müssen. Trotzdem: Die Ausrichtung auf die abenteuerlustige Frau scheint eine erfolgsversprechende Strategie zu sein.

«Frauen sorgen heute viel besser für ihren Köper»

Bereits vor zwei Jahren wurde in England die Site toyboywarehouse.com lanciert, wo ältere Frauen sich jüngere Männer aussuchen dürfen. Die Site verzeichnet 28'000 Mitglieder, davon 70 Prozent Männer, die offenbar gezielt nach einer älteren Partnerin Ausschau halten. Hinter Toyboywarehouse (kurz: TBW) steht die Londoner Geschäftsfrau Julia Macmillan, die gemäss eigenen Angaben nun die internationale Expansion ihres Businessmodels in Angriff nimmt, mit zwei neuen TBW-Filialen in Dublin und New York.

Gegenüber der englischen Presse erklärte die bald 50-jährige Macmillian einen wichtigen Aspekt ihres Business so: «Frauen sorgen heute viel besser für ihren Köper und bleiben länger attraktiv.» Die Frau, die das Toyboy-Angebot lanciert hat, versteht sich als Abbild ihrer Kundinnen. Sie geht dreimal die Woche ins Fitness, liess sich schon Botox spritzen und ist derzeit mit einem acht Jahre jüngeren Mann sehr lose liiert – den sie, selbstverständlich, online kennenlernte.

Nach dem Erfolg von speziellen Datingsites für Singles über 40 Jahren und dem Aufkommen von Kuppler-Plattformen für Senioren zeugen nun die speziell an Frauen gerichteten Angebote von einer weiteren Ausdifferenzierung des Online-Datingmarktes, der übrigens 2011 alleine in der Schweiz über 30 Millionen Franken umsetzte. Den französischen Betreibern von adopteunmec.com geht es dabei gar nicht so sehr ums Vermitteln eines Beziehungspartners. Vielmehr sind auf der Site auch Frauen anzutreffen, die gemäss eigenen Angaben bloss ein kurzes, befristetes Vergnügen suchen. Eine Affäre, keinen Bund fürs Leben.

Da scheint es nur folgerichtig, dass es zu adopteunmec.com neuerdings auch eine iPhone-App gibt – Männer shoppen, das kann Frau nun sogar mobil.

Lesen zum Thema auch: Der Klick zum zweiten Glück.

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Kommentare

Roland am 14. Dezember 2011 um 04:45 Uhr:

Das ist doch mal Emanzipation in die richtige Richtung. Ich hoffe, die Frauen bezahlen ihre Toyboys auch ordentlich.

Barbara am 13. Dezember 2011 um 22:51 Uhr:

Ich reg mich doch nicht auf. Ich machte bloss einen Vorschlag, in welche Richtung man weiterdenken müsste…

Lia am 13. Dezember 2011 um 15:26 Uhr:

meien Güte, Männer werden wie Objekte geshoppt. Darf ich an den Strassenstrich, Bordelle, russische Katalogfrauen erinnern? Das ist bei Frauen gang und gäbe, wieso also jetzt so ein Aufhebens, weil es Männer sind? Die machen das ja wenigstens freiwillig.

Barbara am 12. Dezember 2011 um 00:16 Uhr:

Spannender Artikel, unterhaltsam geschrieben, Marie! Ich frage mich aber – und das hättest du eigentlich auch thematisieren müssen -, ob dieses Angebot tatsächlich ein Bedürfnis abdeckt. Oder eher Bedürfnisse wecken will. Ich bin mir nicht sicher, ob Frauen das wirklich wollen. Und wenn sie es wollen, dann kriegen sie es doch auch an einer Hotelbar. Oder nicht?
Interessant wäre ja auch die Frage, ob das Aufkommen des Online-Datings das Verhalten der Geschlechter verändert. Ich meine, so wie damals mit der Pille. Die Pille erlaubte der Frau die Promiskuität - das Internet verschafft ihr womöglich ertmals eine wirkliche Wahlmöglichkeit. Ja, darüber könnte frau mal nachdenken.

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Kommentare

Das ist doch mal Emanzipation in die richtige Richtung. Ich hoffe, die Frauen bezahlen ihre Toyboys auch ordentlich.

Roland vor 5 Monaten

Ich reg mich doch nicht auf. Ich machte bloss einen Vorschlag, in welche Richtung man weiterdenken müsste…

Barbara vor 5 Monaten

meien Güte, Männer werden wie Objekte geshoppt. Darf ich an den Strassenstrich, Bordelle, russische Katalogfrauen erinnern? Das ist bei Frauen gang und gäbe, wieso also jetzt so ein Aufhebens, weil es Männer sind? Die machen das ja wenigstens freiwillig.

Lia vor 5 Monaten

Spannender Artikel, unterhaltsam geschrieben, Marie! Ich frage mich aber – und das hättest du eigentlich auch thematisieren müssen -, ob dieses Angebot tatsächlich ein Bedürfnis abdeckt. Oder eher Bedürfnisse wecken will. Ich bin mir nicht sicher, ob Frauen das wirklich wollen. Und wenn sie es wollen, dann kriegen sie es doch auch an einer Hotelbar. Oder nicht?
Interessant wäre ja auch die Frage, ob das Aufkommen des Online-Datings das Verhalten der Geschlechter verändert. Ich meine, so wie damals mit der Pille. Die Pille erlaubte der Frau die Promiskuität - das Internet verschafft ihr womöglich ertmals eine wirkliche Wahlmöglichkeit. Ja, darüber könnte frau mal nachdenken.

Barbara vor 5 Monaten

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