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Pendeln für Entspannte

Von Annett Altvater am 18. Oktober 2011 in Artikel - 1 Kommentar

Die Pendelei kann ziemlich nerven. Aber statt die Zugfahrt als Leerlauf wider Willen zu betrachten, schlagen wir vor, dass Sie die Zeit mit Dingen füllen, die Ihnen nützen – oder immerhin Spass machen.

Die Schweiz pendelt. Womit überbrücken Sie die Zeit zwischen Wohn- und Arbeitsort?

Die Schweiz pendelt. Womit überbrücken Sie die Zeit zwischen Wohn- und Arbeitsort?

Schweizer Arbeitnehmer sind flexibel – jedenfalls in der Theorie: Jeder Dritte kann sich vorstellen, für die Arbeit umzuziehen. In der Praxis sieht die Sache alerdings anders aus: So richtig ernst mit dieser Haltung meinen es vor allem die Jungen und hochqualifizierte Arbeitsnomaden. Sechzig Prozent würden den Wohnort nur verlassen, um sich in fünf Kilometern Entfernung ein neues Nest zu bauen. Und zwei Drittel der Erwerbstätigen in der Schweiz wohnen am einen Ort und arbeiten an einem anderen. Für den Arbeitsweg nutzt rund ein Viertel dieser Personen den öffentlichen Verkehr.

Wir sind sesshafter geworden, gleichzeitig richtet sich die Wahl des Wohnorts eben nicht mehr nach dem einen arbeitenden Partner. Wenn beide die Brötchen verdienen, müssen Kompromisse gefunden werden – und das heisst häufig: Pendeln.

Unter dem vielen Unterwegssein leiden Frauen übrigens stärker als Männer. Wohl, weil der Arbeitsweg für sie oft noch mit Mutterpflichten verbunden ist, so die Forscher von der University of Sheffield – Kinder müssen zum Kindergarten gebracht und unterwegs der Einkauf erledigt werden.

Deswegen finden wir erst recht, dass der Pendelweg für Sie nicht nur ein überflüssiger Zwischenakt sein sollte, den Sie genervt überbrücken. Die Zeit im Zug oder im Bus lässt sich nämlich hervorragend zum Entspannen, Lernen oder Lesen nutzen.

Sie müssen nicht dauernd produktiv sein. Im gut besetzten Zug ist das unter Umständen auch gar nicht möglich, etwa wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Nebenmann starrt die ganze Zeit auf Ihren Bildschirm und versucht, aus Ihren Tabellen schlau zu werden. Also machen wir ein bisschen Seelenpflege.

Wozu haben wir schliesslich all unsere Smartphones, iPads und E-Books, wenn nicht dafür, uns das Leben ein bisschen schöner zu machen? Wir haben einige Ideen zusammengetragen und würden uns freuen, wenn Sie Ihre Podcast-Favoriten und Apps, die Ihnen die Zeit vertreiben, mit uns und unseren Leserinnen teilen.

E-Book

Wer viel unterwegs ist und gern liest, kommt an einem E-Book nicht vorbei. So ist der virtuelle Bücherstapel dauernd in der Handtasche. Das ist besonders praktisch, wenn man morgens für Fachliteratur aufnahmebereit ist, die Heimreise aber lieber mit einem Roman ausklingen lässt und sich trotzdem den Rücken nicht krumm schleppen will. Wer den Kindle-Reader von Amazon hat, kann dank kostenloser Mobilfunkverbindung auch unterwegs ständig auf den Shop zugreifen und hat innerhalb von Sekunden neuen Lesestoff zur Verfügung. Falls das Buch unterwegs zur Neige geht, sollte man schon Ersatz parat haben. Am besten Tipps für neue Bücher gleich bunkern, wenn man drüber stolpert.

Zuverlässige Tipps für neue Bücher liefern die «Zeit» oder «Züri Littéraire». Auf Ideen kommt man auch, wenn man die Neuanschaffungen der Stadtbibliothek im Internet scannt.

Smartphone

Viel mehr als das eine Gerät brauchen Sie nicht, um sich die Zeit zu vertreiben.
- Zum Beispiel mit Musik: Noch ein bisschen die Augen zumachen und all die anderen Pendler aussperren. Das klappt am besten, wenn Sie Ihre eigene Geräuschkulisse kreieren.

Es muss aber nicht zum hundertsten Mal die eigene Musikbibliothek sein, die Sie sich zu Gemüte führen. Lassen Sie sich lieber von neuer Musik überraschen – mit einem Smartphone im Gepäck kein Problem. Radio DRS stellt einen Haufen Sendungen ins Netz, sobald sie gelaufen sind. Musik, die tagsüber zu wenig gespielt wird gibts beispielsweise bei «Sounds», der IndieFeed stellt in loser Folge neue Musik von eher unbekannten Bands vor, der kalifornische Radiosender KCRW präsentiert täglich den «Top Tune».

Wer Simfy abonniert hat, muss sich nicht gross überlegen, welcher Musikstil am besten zur Bahnfahrt passen würde. Aus 13 Millionen Songs kann man die Favoriten herunterladen oder – ausreichend Akkupower und eine gute Internetverbindung vorausgesetzt – den Soundtrack zum Feierabend live streamen.

- Nachrichten: Wer die Pendelstrecke nutzen will, um sich über die Weltlage zu informieren, wird mit der Sendung «Hintergrund» vom Deutschlandradio gut bedient. Der halbstündige Podcast ist jeweils einem Thema gewidmet. Auch das «Echo der Zeit» ist als Podcast verfügbar – falls man es am Vorabend verpasst hat. Augen und Ohren auf heisst es bei der ARD-Sendung «Weltspiegel».

- Unterhaltung: An erster Stelle – der ARD Radio-Tatort. Dann natürlich auch das preisgekrönte WDR-Format «Dittsche» mit Olli Dittrich.

- Lernen: Kann ja sein, Sie wollen beim Warten auf den Zug Vokabeln auffrischen. BBC hat einige Podcasts, die beim Dranbleiben helfen, zum Beispiel «The English we speak». Oder sind Sie eher der Typ, der Lücken in Klassischer Musik auffrischen will? Dann könnte der Bayerische Rundfunk mit «Starke Stücke – Meisterwerke der Musik» Sie interessieren. Und weil die Zeit nicht reicht, um sich als Gasthörer an der Uni einzuschreiben, durchforsten Sie mal die iTunes-U-Abteilung. «Women in Science» von der Open University stellt berühmte Forscherinnen vor. Oder Sie hören nach, was Madeleine Albright Frauen zu sagen hat, die in Führungspositionen gelangen wollen.

- Apps: Unterwegs können Sie die Zeit nutzen, um Ihren Kontostand zu überprüfen oder dringende Überweisungen zu tätigen. Das geht mit der Postfinance-App. Danach stöbern Sie nach Rezepten für die nächste Woche (z.B. Gofeminin, Coop) und erledigen den Einkauf (z.B. Migros, Coop). Anschliessend schauen Sie sich noch ein bisschen bei Topshop um und scannen ein paar Twitter-Links. Falls Sie dabei auf interessantes Material stossen, das Sie später nachlesen wollen, markieren Sie sich die Links mit Instapaper. Mit Pulse haben Sie Ihre bevorzugten Nachrichtenkanäle auf dem Smartphone oder dem iPad im Überblick und können Geschichten auch dann lesen, wenn das Internetsignal im Tunnel gerade schwächelt.

Und wenn jetzt doch noch eine Idee für die Arbeit im Kopf herumspukt? Einfangen, am besten mit Evernote. Und aussteigen, Sie sind sicher schon längst zuhause angekommen.

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Kommentare

Levin Kummer am 19. Januar 2012 um 10:36 Uhr:

Am Anfang dieses Beitrags war ich sehr gespannt, da ich selber täglich von Zürich nach Bern pendle. Aber es ist schlimm zu sehen, dass alles nur noch per Smartphone und Tablet PCs läuft. Und denken Sie jetzt nicht ich sei ein verbitterter alter Mann, der die neue Technologie sowieso für Humbug hält, ganz im Gegenteil. Ich bin 21 und auch selbst Smartphonenutzer und ein Vielnutzer noch dazu. Ich finde aber, dass ein reales Buch nicht durch E-Books ersetzt werden kann und wenn ein Buch zur Neige geht habe ich halt ein zweites dabei, so schwer ist dies mit Taschenbüchern auch wieder nicht.
Was zum Beispiel auch eine Idee wäre, bei der man nicht auf elektronische Geräte angewiesen ist, ist einfach mal ein Gespräch mit einem Mitpendler zu führen. Das kann sehr interessant sein und stärkt gleichzeitig auch das Zwischenmenschliche, welches durch Smartphones und Co. immer weiter in den Hintergrund fällt

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Am Anfang dieses Beitrags war ich sehr gespannt, da ich selber täglich von Zürich nach Bern pendle. Aber es ist schlimm zu sehen, dass alles nur noch per Smartphone und Tablet PCs läuft. Und denken Sie jetzt nicht ich sei ein verbitterter alter Mann, der die neue Technologie sowieso für Humbug hält, ganz im Gegenteil. Ich bin 21 und auch selbst Smartphonenutzer und ein Vielnutzer noch dazu. Ich finde aber, dass ein reales Buch nicht durch E-Books ersetzt werden kann und wenn ein Buch zur Neige geht habe ich halt ein zweites dabei, so schwer ist dies mit Taschenbüchern auch wieder nicht.
Was zum Beispiel auch eine Idee wäre, bei der man nicht auf elektronische Geräte angewiesen ist, ist einfach mal ein Gespräch mit einem Mitpendler zu führen. Das kann sehr interessant sein und stärkt gleichzeitig auch das Zwischenmenschliche, welches durch Smartphones und Co. immer weiter in den Hintergrund fällt

Levin Kummer vor 4 Monaten

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