Flirt Liebe

«Hä?!» Wie Frauen heute flirten

Von Ralph Pöhner am 02. März 2011 in Artikel - 3 Kommentare

Wenn ein Franzose unser Flirtverhalten aufs Korn nimmt, dann gilt es ernst. Ein Plädoyer für mehr Spiel und Spass.

Alles nur ein Spiel: Frau und Mann in der Pariser Metro.

Alles nur ein Spiel: Frau und Mann in der Pariser Metro.

«Zur Sache, Chérie»: So lautet der Titel. Es ist eines dieser Büchlein, die einem einfach über den Weg laufen, die etwas oberflächliche Unterhaltung versprechen und dann sogar die eine oder andere nützliche Lektion erteilen. Sein Untertitel: «Ein Franzose verzweifelt an den deutschen Frauen».

Da geht es also ums Flirtverhalten der Deutschen, und wer die Lage kennt, darf sagen: Die Beobachtungen des Autors Alain-Xavier Wurst passen auch auf die Deutschschweizerinnen. Denn eigentlich geht es um fundamentale Unterschiede zwischen zwei Kulturräumen, die nebeneinander liegen, aber nicht immer sehr nahe.

Wurst, so sein wahrer Name, ist 40 Jahre alt, stammt aus Paris, lebt aber seit sieben Jahren in Hamburg. Und in dieser Zeit musste er offenbar sehr hartes Brot beissen bei den deutschen Frauen.

Denn die sind zwar wunderbar – «gesunde Schönheiten in luftigen Sommerkleidern, die Fahrrad fuhren, Bio-Äpfel aßen und mit weißen Zähnen lächelten. Herrlich!» Aber eben: Kaum spricht er diese Schönheiten so an, wie man als Franzose eine Frau anspricht, ist fertig herrlich. Die Frauen auf unserer Seite des Rheins können nämlich nicht flirten, so der Befund. Es mangelt ihnen an Lockerheit. Und überhaupt finden sie den Flirt eine dubiose Sache.

Denn wie lautet ihr Anfangsverdacht? Der Kerl will sowieso nur das eine.

Damit haben sie ja auch völlig recht. Das tieferliegende Problem ist nämlich der deutsche Mann (und ja: auch dies gilt wohl für seinen Deutschschweizer Kollegen). Dieser nämlich sieht den Flirt bloss als Sprungbrett ins Bett, weshalb die Angeflirtete allen Grund zur Vorsicht hat.

Aber der Franzose, der tickt natürlich anders. Er sucht zwar ein sexualisiertes Gespräch – sprich: le flirt –, aber für ihn ist das doch nur Spiel: «Ohne dass es zwangsläufig zum Sex kommen muss.»

Womit wir wieder bei den Frauen wären: Entsprechend der völlig anderen Ausgangslage verhalten sich Franzose und Französin beim Flirt wie Roger Federer zu Raphael Nadal – zwei Parteien, die sich gegenüberstehen, dann wird das Spiel eröffnet und jeder wedelt kräftig drauflos. Die Deutsche reagiert derweil auf den flirtenden Mann wie das Reh beim Anblick des Jägers.

Was passiert also in unseren Breitengraden, wenn ein Mann eine fremde Frau mit einem Kompliment überrascht? Sie hinterfragt den Spruch ernst und kritisch; deshalb merkt sie sofort, dass das Kompliment eine brandschwarze Lüge ist; also verdreht sie die Augen und läuft davon. Notabene tut sie dies ziemlich oft in flachen Schuhen, weil dies der Frau bekanntlich hilft, eher als Person denn als Objekt wahrgenommen zu werden – so eine weitere lästerliche Beobachtung von Alain-Xavier Wurst.

Am Ende sieht man bei uns zwar viele Frauen, die sehr modebewusst, ja auch geschmackvoll angezogen sind, aber Extravaganz und Glamour? Bleibt Mangelware. Schuld daran – wie am mangelnden Spieltrieb der hiesigen Frauen – sei letztlich auch die hiesige Form des Feminismus, so eine These: Denn dieser war halt, im Gegensatz zur französischen Variante, etwas freudlos, verbiestert und vor allem nicht selbstbewusst genug.

Den Vorwurf kennen wir, gell? Klar doch: Solche Beobachtungen strotzen vor Klischees – auf allen Seiten. Wie beispielsweise jeder Besuch in Paris zeigt, stiefeln Madame und Mademoiselle gern ebenso abweisend und unglamourös durch die Boulevards wie Frau Loosli am Montagmorgen durch die Steinberggasse in Winterthur. Der Unterschied liegt zu 95 Prozent im Image.

Und doch lernen wir beim Thema Flirt, dass sich aus der Beobachtung eines zwischenmenschlichen Details durchdringende kulturelle Züge herauslesen lassen. So bemerkt Flirtexperte Wurst allerlei Details, die einem hier gar nicht weiter auffallen, aber vielleicht zu denken geben sollten. Beispielsweise lautet eine Standardanwort auf einen Flirteinstieg bei uns: «Hä?». Genau: «Hä?», und dann nichts mehr.

Dieses deutsche «Hä?» sei fast nicht mehr auszuhalten, moniert der Franzose mit einem gewissen Recht. Denn was besagt das Hä? «Sie hat ihren Text nicht nur vergessen, sie hat ihn nie gelernt! Und dann fällt eben der Vorhang sehr schnell.»

Und so sei hier eine grundsätzliche Einsicht erwähnt, eine kleine, feine Umdrehung, die wir hier allen Deutschen oder Deutschschweizerinnen ans Herz legen wollen: «Die deutsche Frau reagiert aufs Flirten mit: 'Was will er von mir?', dabei sollte die Frage einfach heißen: 'Was will ich von ihm?'«

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Kommentare

Jutta Maier am 13. September 2011 um 13:12 Uhr:

Was will ich von ihm? Dass er abhaut und mich gefälligst in Ruhe auf der Parkbank, an der Bar oder im Kino sitzen lässt. Was muss der Kerl wohl für ein erbärmlicher Hanswurst sein…

marcello am 17. August 2011 um 08:23 Uhr:

schaut Euch das Photo von Herrn Wurst an, da wird einem klar warum in Hamburg niemand mit Ihm Flirten wollte…..

Nath am 03. August 2011 um 15:21 Uhr:

Ich (nur zur Hälfte Deutschschweizerin und zur anderen Hälfte Südländerin, was mir wohl einen Zacken mehr Lockerheit beschwert hat im Umgang mit Flirtversuchen) hatte auch immer meine liebe Mühe mit den Deutschschweizern - eben aus oben genanntem Grund: man fühlt sich wie das gejagte Reh, denn wenn sie flirten, wollen sie tatsächlich nur das eine… Deshalb bin ich nun auch mit einem Mann von jenseits des Röschti-Grabens (i.e. Romand) verheiratet; für den war der Flirt nur ein simpler, spielerischer Weg, sich kennenzulernen, ohne böse Hintergedanken - hinter den Klischees steckt eben doch ein wahrer Kern…

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Kommentare

Was will ich von ihm? Dass er abhaut und mich gefälligst in Ruhe auf der Parkbank, an der Bar oder im Kino sitzen lässt. Was muss der Kerl wohl für ein erbärmlicher Hanswurst sein…

Jutta Maier vor 8 Monaten

schaut Euch das Photo von Herrn Wurst an, da wird einem klar warum in Hamburg niemand mit Ihm Flirten wollte…..

marcello vor 9 Monaten

Ich (nur zur Hälfte Deutschschweizerin und zur anderen Hälfte Südländerin, was mir wohl einen Zacken mehr Lockerheit beschwert hat im Umgang mit Flirtversuchen) hatte auch immer meine liebe Mühe mit den Deutschschweizern - eben aus oben genanntem Grund: man fühlt sich wie das gejagte Reh, denn wenn sie flirten, wollen sie tatsächlich nur das eine… Deshalb bin ich nun auch mit einem Mann von jenseits des Röschti-Grabens (i.e. Romand) verheiratet; für den war der Flirt nur ein simpler, spielerischer Weg, sich kennenzulernen, ohne böse Hintergedanken - hinter den Klischees steckt eben doch ein wahrer Kern…

Nath vor 10 Monaten

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