Kein Frage, Google+ ist das neue Lieblingsthema der Technologie-Szene. Der neulancierte Dienst, der Facebook Konkurrenz machen will, bewegt die Netzwerke. Am heissesten diskutiert werden derzeit für einmal aber nicht technische Features, sondern der geringe Frauenanteil. Kurz nach der Lancierung im Juli war von lediglich 12 weiblichen Prozent die Rede, mittlerweile sollen es bereits mehr als 30 Prozent sein, Tendenz steigend. Doch im Gegensatz zur Wirtschaft ist ein kleiner Frauenanteil für soziale Netzwerke ein Problem, das sich direkt auf den Wert auswirkt, denn Netzwerke sind attraktiver und funktionaler, je interessanter die Besetzung.
Der geringe Frauenanteil ist bei genauerem Hinsehen allerdings nicht überraschend, folgte doch die Lancierung von Google+ einem in der männlich dominierten Technologie-Szene üblichen Vorgehen: Lange im Voraus wurde über die Funktionalität diskutiert und lamentiert, dann erst bekam ein auserwählter Kreis Zugang. Zur Verfügung steht die Anwendung vorerst in einer Beta-Version. Was bedeutet, dass noch sind nicht alle Funktionalitäten wirklich ausgereift sind und die auserwählten Nutzerinnen und Nutzer mit ihren Inputs helfen sollen, das Ganze zu optimieren.
Willige Freiwillige
Google will so auch testen, ob das neuste Werk überhaupt eine Chance hat. Funktioniert es nicht, ist Google+ schnell wieder vom Markt, ohne offiziell von einem Flop sprechen zu müssen. Dabei sind Männer offensichtlich willigere freiwillige Mitarbeitende als Frauen, ausserdem laden sie auch eher Kollegen ein, sich dem illustren Kreis anzuschliessen.
Dennoch lässt der geringe Frauenanteil die Männer nicht kalt. Denn Funktionalitäten wie die Partnersuche können so schlecht getestet werden, zudem gelten Frauen gemäss einer aktuellen Studie von «NBC Universal» als die aktiveren Nutzerinnen sozialer Netzwerke und werden über Erfolg oder Misserfolg des Projekts mitentscheiden.
Verknappung funktioniert nicht als Lockmittel
Am geringen weiblichen Interesse ändert auch nichts, dass die Einführungsmethoden, die Google angewandt hat, vielen Frauen vertraut sind. Attraktivitätssteigerung mit Hilfe künstlicher Verknappung funktionert zwar bei limitierten Auflagen von Handtaschen, scheint hier aber nicht zu ziehen. So berichten einige Bloggerinnen, dass sie vergeblich versucht haben, ihre Freundinnen von Facebook zu Google+ zu locken. Diese warten lieber, bis die Funktionalitäten stimmen und die Usability optimiert ist. Es lohnt sich also nur bedingt, ein sogenannter «Early Adopter» zu sein.
Ausserdem scheinen die Männer, die sich derzeit auf Google+ tummeln, zu wenig attraktiv zu sein, um Frauen anzuziehen, trotz des eklatanten Überschusses. Der eine oder andere Blogger gibt sich denn auch optimistisch, dass sich die Frauen automatisch einfinden, wenn mal alle coolen Typen auf Google+ vereinigt sind.
Diskussion über Schuhe statt Technik
Doch auch an - jedenfalls aus weiblicher Sicht - spannenden Inhalten mangelt es derzeit noch, worauf aber Frauen laut der «NBC»-Studie ausgesprochen Wert legen. Noch wird auf Google+ vor allem über Google+ diskutiert. Entsprechend die Anmerkung einer Bloggerin: Sie geht davon aus, dass Frauen dort aktiv werden, sobald über Schuhe oder andere Themen diskutiert werde.
Nun, sicher ist, dass Frauen durchaus haushälterischer mit ihren Ressourcen umgehen. Sie lassen die Männer den Prototypen testen, entwickeln und steigen dann ein, wenn alles funktioniert. Durchaus effizient – da bleibt mehr Zeit für die Pflege von Netzwerken.
Zur Diskussion des Themas auf Forbes Women
Zahlreiche spannende Gedanken finden sich im Blog von M.Faulkner
Viele Zahlen zu Google+ sind hier zusammengetragen
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